Impressionen aus Nicaragua - 1. Rundbrief von Katrin Luz
Katrin erzählt uns von ihren Eindrücken, die sie in den ersten 3 Monaten ihres Aufenthaltes gesammelt hat.
"Habe ich schon erwähnt, dass man hier das Warten lernt? Gestern war ich zwei Mal im Supermarkt und hatte das Gefühl zwei Mal die falsche Kasse gewählt zu haben. Jedes Mal bin ich bestimmt eine viertel Stunde angestanden. Erstens haben sie hier selten mehr als zwei Kassen auf und zweitens ist es nicht so üblich Großeinkäufe zu machen, weshalb viel mehr abkassiert werden muss und Großeinkäufe immer eine kleine Herausforderung für die Kassierer darstellen. Das Warten lernt man aber auch sonst überall. Es kommt vor, dass man irgendwo sitzt und denkt, es müsse doch nun etwas passieren. Aber nein, man sitzt und wartet und schaut, wann was passiert. Manchmal kostet das wirklich Geduld und Nerven, doch wenn man für nichts verantwortlich ist, dann kann man die Zeit auch zum Entspannen nutzen und denken, dass es doch wirklich schlimmeres gibt, als zu sitzen und zu warten. Das Warten kommt vermutlich daher, dass hier auf andere Weise geplant oder eben nicht geplant wird. Wenn mir zum Bespiel meine Gastmutter sagt, dass wir um sieben Uhr morgens gehen und ich früh aufstehen soll, weil wir noch frühstücken, dann kann es durchaus passieren, dass wir um acht Uhr ohne Frühstück aus dem Haus gehen und ich mich frage, warum ich um halb sechs aufgestanden bin. Auch wenn gesagt wird, dass etwas um 8 beginnt, kann es sein, dass es um 10 beginnt. Doch da ich nie so genau weiß, wann etwas pünktlich beginnt und wann nicht, kommt es regelmäßig vor, dass ich auch mal zwei Stunden warte, bis etwas beginnt".
