Projekt-Info:

Friedensjournalismus, Friedenserziehung und Konflikttransformation um extraktive Ressourcen im Niger.


Handwerklicher Goldabbau im Niger. Foto: Andreas Wagner

Produktion einer Sendung bei Radio Simiri. Foto: Lisa Tschörner

Die Region Sahel wurde in den letzten Jahren zunehmend von der gewaltsamen Eskalation politischer, wirtschaftlicher und ethnisch-religiöser Spannungen erschüttert. Dürren in Folge des Klimawandels und intensive Ressourcennutzung verschärfen Konflikte um Boden und Wasser zwischen Ackerbauern und Viehzüchtern. Sowohl im industriellen wie auch im handwerklichen Bergbau werden Bodenschätze unter Gesundheits- und umweltschädlichen Bedingungen gefördert.  Das Geschäft wird von Korruption, Schmuggel und Prostitution begleitet. Als Maßnahme gegen die ständigen Angriffe der Terrororganisation Boko Haram hat die Regierung in der Grenzregion Diffa den Ausnahmezustand verhängt und Freiheitsrechte eingeschränkt. Die Kämpfe zwischen Boko Haram und den Sicherheitskräften zerstören die lokale Infrastruktur, die Wirtschaft und Nahrungsmittelversorgung und zwingen viele Menschen zur Flucht.

EIRENE stärkt durch das Regionalprogramm Sahel in den Ländern Mali, Burkina Faso und Niger lokale Potentiale für gewaltfreie Konfliktbearbeitung. Dazu arbeitet EIRENE in Niger mit vier Partnerorganisationen zusammen: Der erfahrenen Entwicklungsorganisation KARKARA, den engagierten Kommunalradios Baarou und AEC sowie dem jungen Radionetzwerk RAPRCN. Die von EIRENE unterstützen Radios werden immer häufiger gebeten, über die Aktivitäten der Gemeinden zu berichten.

EIRENES Beitrag: 

EIRENE arbeitet in Niger mit den Partnerorganisationen zu folgenden drei Themen:

  • Im Bereich Friedensjournalismus werden JournalistInnen in konfliktsensibler Berichterstattung ausgebildet und in Techniken wie gewaltfreier Kommunikation und Mediation trainiert. Als das wichtigste Medium in der Region kann Radio so in angespannten Situationen deeskalierend wirken.  Beispielsweise produzieren die am Projekt beteiligten Kommunalradios interaktive Sendungen, in denen Hörerinnen und Hörer die Probleme um den handwerklichen Goldabbau thematisieren. Dadurch wurden viele Eltern motiviert, ihre Kinder zur Schule anstatt zur Arbeit in die Minen zu schicken, und Goldgräberinnen und Goldgräber aufgeklärt, wie sie sich besser vor gesundheitlichen Schäden schützen können.
  • In der Friedenserziehung lernen Jugendliche, Eltern, Lehrende und DirektorInnen Strategien, ihre Interessen gewaltfrei zu vertreten. Dadurch soll verhindert werden, dass sie sich radikalen Ideologien und Gruppierungen anschließen. So werden im Programm Diskussionsrunden zum Thema gewaltfreies Handeln an Schulen durchgeführt. Dies hat eine  Reihe junger Erwachsener animiert, sich politisch zu engagieren und erfolgreich bei Lokalwahlen zu kandidieren.
  • Im Bereich extraktive Ressourcen, insbesondere beim Goldabbau, geht es darum, alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen, um friedliche Lösungen für Menschenrechts-, Land- und Umweltfragen zu finden. Lokale Organisationen werden in ihrer Lobby und Dialogarbeit gegenüber größeren Konzernen auch auf internationaler Ebene gestärkt. Durch eine Transparenzinitiative wurden die Inhalte bisher geheimer Verträge zwischen staatlichen Stellen und internationalen Konzernen veröffentlicht.

Ein zentrales Instrument von EIRENEs Kooperation ist der Einsatz von Friedensfachkräften als Beraterinnen zu den Programmschwerpunkten. Die von EIRENE unterstützten Projekte in Niger fördern den gesellschaftlichen Zusammenhalt, die gerechte Teilhabe an Friedensbildungsprozessen und einen ökologisch und sozial verträglichen Abbau von Rohstoffen. Diese Maßnahmen tragen zur Bekämpfung von Fluchtursachen bei.

Projektdaten
Land/Region: 
Niger, Mali, Burkina Faso
Finanzierung: 
Ziviler Friedensdienst (ZFD) aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Lokaler Partner: 
Ré-GENOVICO (Netzwerk für gewaltfreie Konfliktbearbeitung), GREN (Netzwerk von nigrischen NROs zum Ressourcenabbau in Niger), CN-RACOM (Nationaler Dachverband für kommunale Radios); ORFED (Organisation für Reflexion, Bildung und Erziehung im Bereich Demokratie und Entwicklung).
Projektlaufzeit: 
2014-2017