Für eine Friedenskultur in Nicaragua
Nicaragua ist gemessen am pro-Kopf-Einkommen das zweitärmste Land Lateinamerikas. Zudem ist die Schere zwischen Arm und Reich sehr groß Besonders die Menschen in den ländlichen Gebieten leben in großer Armut. Der Mangel an Perspektiven führt vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen einerseits zu Migration und andererseits zu einer erhöhten Gewaltbereitschaft.
Probleme, die im Alltag auftreten, werden vorwiegend gewaltsam ausgetragen, da den Jugendlichen keine anderen Lösungsmechanismen zur Verfügung stehen. Sie haben dieses Verhalten bereits von ihren Eltern gelernt. Probleme innerhalb der Familien werden vielfach gewaltsam gelöst, was dazu führt, dass die Jugendlichen in ihrem Umfeld dieses gelernte Verhalten ebenso anwenden.
Das ohnehin hohe Gewaltniveau innerhalb der nicaraguanischen Gesellschaft wird durch die Nichterfüllung grundlegender Menschenrechte weiter gefördert. Dies führt zu Straflosigkeit und Rechtsunsicherheit..
Das 1990 gegründete nicaraguanische Menschenrechtszentrum (CENIDH) versucht mit landesweiten Bildungsangeboten und der juristischen Begleitung von Opfern von Menschenrechtsverletzungen diesen Tendenzen entgegenzuwirken. Die Arbeit von Menschenrechtsorganisationen, wie CENIDH und ihr Ziel, eine Kultur der Anerkennung und Förderung der Menschenrechte zu schaffen, wird jedoch durch die Politik der aktuellen nicaraguanischen Regierung stark behindert.
Um die Menschenrechtssituation in Nicaragua zu verbessern und einen sozialen Frieden herstellen zu können, ist gerade die Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsene besonders wichtig. Etwa 67 % der nicaraguanischen Bevölkerung ist jünger als 25 Jahre, was bedeutet, dass in der Arbeit mit Jugendlichen großes Potential steckt. Sie werden die Zukunft des Landes bestimmen und eine wichtige Rolle in der Gestaltung der gesellschaftlichen Umwelt übernehmen.
CENIDH ist ein langjähriger Partner von EIRENE in Nicaragua. Seit der Gründung 1990 gab es verschiedene punktuelle Projekte. Zwischen 2002-2009 wurde die Zusammenarbeit im Rahmen eines Projektes zur Stärkung und Ausbildung eines Menschenrechtsunterstützernetzwerkes erweitert und ausgebaut. Bei diesem Netzwerk handelt es sich um eine einzigartige landesweit agierende Struktur. Die hierin organisierten MenschenrechtsunterstützerInnen leben über das ganze Land verstreut, auch in entlegenen Gebieten und wurden dazu ausgebildet, als AnsprechpartnerInnen für Menschenrechtsverletzungen zu dienen. Sie geben Informationen über Menschenrechtsverletzungen an CENIDH weiter und helfen den Menschen vor Ort ihre Anliegen angemessen zu artikulieren und begleiten sie z.B. zu Behörden etc.
Bei der Arbeit mit dem Netzwerk hat sich gezeigt, dass vor allem Erwachsene als MenschenrechtsunterstützerInnen tätig sind, die Integration von Jugendlichen und jungen Erwachsenen jedoch für die Zukunft des Netzwerkes eine fundamentale Rolle spielt. Hier knüpft das aktuelle Projekt „Bildung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zur Menschenrechtsarbeit und Förderung einer Friedenskultur“ an. CENIDH wird hierfür von einer Fachkraft zu den Themen Friedenspädagogik, partizipative Methoden sowie Monitoring und Evaluierung beraten. Ziel ist es die Struktur zur Verbreitung und Verteidigung der Menschenrechte insbesondere durch Jugendliche und junge Erwachsene in ausgewählten Regionen Nicaraguas auszubauen. Außerdem sollen neue Formen des Zusammenlebens, basierend auf Toleranz, Versöhnung und Respekt der Menschenrechte gestärkt werden.



