30 Jahre Kinderrechte: (K)ein Grund zum Feiern?

Demonstration für Kinderrechte in El Alto (Foto: Jonas Laur)

Im November 2019 wird die UN Kinderrechtskonvention (KRK) 30 Jahre alt. Junge Menschen fordern eine Politik, die globale Gerechtigkeit schafft, indem sie Waffenexporte stoppt, die Finanzmittel im Bundeshaushalt für Entwicklungszusammenarbeit und die Stärkung der Kinderrechte erhöht und die Klimakrise ernst nimmt. Wirtschaftlicher Profit darf nicht über den Erhalt des Planeten und die Lebensqualität von Menschen im Globalen Süden gestellt werden.

Krisen der Welt: Kinder leiden zuerst

Seit Einführung der KRK hat sich der Anteil unterernährter Kinder halbiert. Es gibt weniger Kinderarbeit, eine deutlich geringere Säuglingssterblichkeit, weniger Zwangsehen und mehr Kindern ist ein Schulbesuch möglich1. Trotz der Fortschritte werden Kinder stärker denn je von Gewalt und Armut, durch Krieg sowie der Klimakrise bedroht. Zurzeit sind weltweit über 35 Millionen Kinder auf der Flucht2. Insgesamt 385 Millionen Kinder leben in extremer Armut, vor allem in Staaten des Globalen Südens3. Weltweit wird nur wenig Mitbestimmung von jungen Menschen politisch zugelassen.

Durch politisches Engagement in meiner Schulzeit begleite ich seit 2015 das Thema Kinderrechte als Teil einer Jugendkonsultation im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). In meinem EIRENE-Freiwilligendienst in Bolivien habe ich im Jugendzentrum C.C.C. Chasqui Workshops über Kinderrechte gegeben. Zusammen mit den Kindern haben wir Forderungen zur Stärkung der Kinderrechte an die lokale Politik herangetragen.

Junge Menschen kritisieren BMZ-Paradigma der Entwicklungszusammenarbeit

Auch das BMZ richtet Feierlichkeiten zum Jubiläum der Kinderrechte aus. In den letzten Jahren hat sich das Ministerium mit dem Aktionsplan „Agents of Change“ (2017-2019)4 verstärkt um die Umsetzung der Kinderrechte in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit bemüht. Erstmals wurden dabei in der Entstehung und Evaluation auch Jugendliche beteiligt, so durften wir 2016 Forderungen für den Aktionsplan dem BMZ überbringen und waren an der stark verspäteten Halbzeitevaluation im Mai 2019 beteiligt. Derzeit lässt sich schwer bewerten inwieweit der Aktionsplan eine Erweiterung der BMZ-Maßnahmen zur Stärkung der Kinderrechte erbringt. Als Jugendkonsultation sind wir eine starke kritische Stimme im Prozess, die für andere zivilgesellschaftliche Akteure Unsagbares zum Ausdruck bringen kann. Aktuell wird eine unserer Forderungen, die Einsetzung eines Jugendrates im BMZ zur Verstetigung der Partizipation umgesetzt. Wir tun vieles dafür, dass unsere Partizipation nicht zu einer Scheinpartizipation wird, sind unbequem und nutzen jeden Raum unsere Positionen einzubringen.

Junge Menschen machen sich gerade selbstständig zu „Agent(s) of Change“, indem sie weltweit mit ihrem „Fridays for Future“-Protest eindrucksvoll zeigen, dass sie bei der Politik der alten Menschen nicht länger mitmachen. Das Kinderrechte Jubiläum ist ein guter Zeitpunkt um Generationengerechtigkeit endlich zum zentralen Kompass der Politik zu machen, dann hätten wir einen Grund zu feiern.

 

1: https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/presse/2017/kindersterblichkeit-weltweit-unicef/151902

2: https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/hilfe-weltweit/fluechtlingsschutz/fluechtlingskinder/

3: https://www.unicef.ch/sites/default/files/2018-07/unicef_fs_armut_2018_de.pdf

4: https://www.bmz.de/de/themen/kinderrechte/arbeitsfelder/index.html; https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/themen/kinderrechte/kinderrechte-in-der-entwicklungspolitik/

Weltwärts mit EIRENE in Marokko – für unsere Tochter Thekla ein Jahr mit vielen Herausforderungen, vor allem aber mit Gewinn für ihre spätere berufliche Orientierung. In dem Projekt mit Geflüchteten wussten wir sie jederzeit gut aufgehoben und von den EIRENE-Fachkräften intensiv begleitet.
Tobias Schwab, Journalist
Nachdem unsere Tochter als EIRENE-Freiwillige in Uganda war, war es wunderschön im Jahr darauf eine junge Frau aus Uganda in unsere Familie aufzunehmen. Das war sehr bereichernd für unsere Familie. Denn gegenseitiges Verständnis braucht Begegnungen!
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Heute ist es umso wichtiger, dass die ökumenische Friedensorganisation EIRENE das verkörpert, wofür die Friedensgöttin EIRENE 400 vor Christus stand: für einen Frieden als Basis von Wohlstand für alle; als Grundlage einer gerechten Gesellschaft; als Gegenmodell zu einer hochmilitarisierten Welt.
Wolfgang Kessler, 20 Jahre Chefredakteur von Publik-Forum, heute freier Publizist
EIRENE gibt jungen Menschen Gelegenheit - ich wähle Worte von Papst Franziskus - , "Beschützer und nicht Räuber der Welt zu werden, Schönheit zu säen..., zu erkennen, dass wir zutiefst mit allen Geschöpfen verbunden sind auf dem Weg in Gottes unendliches Licht".
Johannes Meier, Professor für Katholische Theologie
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