Die Impfung als Retterin in der Not – Eine neue Ansicht

Gerade in ugandischen Flüchtlingscamps wird Impfstoff dringend gebraucht. Bild unserer Partnerorganisation ACFODE zu ihrer Arbeit gegen sexualisierte Gewalt gegen Geflüchtete.

Die aktuelle Pandemie fordert uns heraus gewohnte Denkmuster zu durchbrechen. Viel Bekanntes steht auf dem Prüfstand, zum Beispiel unser persönlicher Umgang mit dem Thema Impfen. Doch was bleibt sind Reflexionen, die zu mehr globaler Solidarität führen, auch wenn sie zunächst ergebnisoffen sind.

Als gebürtige Deutsche bin ich an ein Gesundheitssystem gewöhnt, das mich stets vor schweren Erkrankungen geschützt oder zumindest ausreichend versorgt hat. Trotzdem war ich früher eher skeptisch gegenüber Impfungen. Ich folgte einem von mir und meinem Umfeld geteilten Verständnis: Die Pharmaindustrie - eher böse; Medizin mit möglichst wenig „Chemie“ - eher gut.

Auf einmal im Jahr 2020 nun die Wende. Heute nehme ich Impfungen das erste Mal als die Retterin der öffentlichen Gesundheit wahr - die sie wohl schon immer war. Aussagen wie „die böse Pharmaindustrie“ würde ich heute trotz berechtigter Kritik an der Monetarisierung des Gesundheitswesen nicht mehr treffen. Als meine über achtzigjährigen Eltern beide Corona-Impfdosen erhalten hatten, dachte ich nicht im Geringsten darüber nach, ob die Herstellerfirmen „böse“ sein könnten, ich war einfach nur unglaublich erleichtert.

Unsere eine Welt und das Impfen

Meine Erleichterung über die Impfung meiner Eltern verbinde ich mit der Einsicht, dass der Zugang zu dieser lebenswichtigen Ressource national und global begrenzt ist. Zu meinen neuen Gewohnheiten gehört es, mich täglich über den Impfstand zu informieren. Daher weiß ich, dass meine Eltern als vollständig geimpfte Menschen zu den ersten 10 Prozent der Weltbevölkerung mit diesem Schutz gehören. Spätestens seit dem rassismuskritischen Veränderungsprozess bei EIRENE ist mir die Tragweite der Privilegien meiner Familie bewusst. Dass in der Pandemie Diskriminierungsstrukturen global aufgezeigt werden, überrascht nicht. Sie scheinen dort deutlich durch, wo die Rückkehr zum Nationalismus den Impfstoff-Wett-bewerb der Staatengemeinschaft anheizt. Passend dazu musste sich die deutsche Bundesregierung in einer Pressekonferenz jüngst für die fehlende Priorisierung deutscher Interessen zugunsten eines europäischen Gleichschritts rechtfertigen.


Du kannst es mir nicht verdenken, quer zu denken


Nichtsdestotrotz endet die Welt nicht an Europas Grenzen, wodurch eine europäisch koordinierte Beschaffung des Impfstoffs globale Verteilungsprobleme nicht löst. Im Gegenteil, möglicherweise werden sie dadurch vergrößert. Diese Vermutung wurde mittlerweile durch die deutschen Medien aufgegriffen: Sobald das Virus im globalen Süden wegen der mangelnden Verfügbarkeit des Impfstoffs grassiert, wird es mutieren und die Impfbemühungen westlicher Länder gefährden. Neben dem damit einhergehenden epidemiologischen Misserfolg, den zu beklagenden Toten, entsteht eine zusätzliche Diskriminierungskategorie: Nicht nur Reise-, sondern auch Impfpass öffnen und verschließen Türen zu lebenswichtigen Ressourcen.

Struktureller Rassismus in der Pandemie

Einer der Grundpfeiler des EIRENE-Friedensdiensts ist Solidarität. Was bedeutet Solidarität in der Corona-Pandemie? Sicherlich nicht nur das „Klatschen auf den Balkonen“ für Menschen im Gesundheitssektor in der verschreckten Frühphase der Pandemie letztes Frühjahr.

Wir können nun dazu beitragen, dass Solidarität in der praktischen und politischen Arbeit von EIRENE neu interpretiert wird. In der Praxis betrifft dies die Entsendung von Freiwilligen und Fachkräften und die – nicht einfach zu beantwortende – Frage danach, ob diese bereits eine frühe Impfung erhalten sollten. Einerseits wird eine junge Person geimpft, was schwer zu ertragen erscheint, weil diese Impfdose nicht an eine vulnerable Person im globalen Süden verimpft werden kann. Andererseits können Impfungen nicht mitgenommen und weniger privilegierten Personen geschenkt werden. Stattdessen könnte sich Solidarität in der fortgeführten Arbeit im Friedensdienst der – möglicherweise geimpften – Freiwilligen und Friedensfachkräfte in den EIRENE-Partnerorganisationen ausdrücken.

"Nicht nur Reise-, sondern auch Impfpass öffnen und verschließen Türen zu lebenswichtigen Ressourcen."

In der politischen Arbeit kann sich EIRENE als Akteurin der Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit an deutsche und europäische Entscheidungsträger_innen richten, Positionen beziehen und zumindest manche Stimmen aus dem globalen Süden hörbar machen. Anschließend an meine Überlegungen zu meinen eigenen Privilegien bin ich nun bereit, in meinem Alltag ein Zeichen für Solidarität setzen, das über den engen Blick, wie hoch die Impfquote in meinem Bundesland ist, hinausgeht.

Interessant finde ich die aktuelle Kampagne zur Aufhebung des Patentschutzes für Corona-Impfstoffe. Wer sich dazu genauer informieren möchte, ist herzliche eingeladen diesem Link zu folgen: https://www.medico.de/patente-toeten/

von Julia Richter

Zum EIRENE-Freiwilligendienst gehört neben der Arbeit in den Einsatzländern auch die Vor- und Nachbereitung durch die Seminare. Dort konnte ich viele tolle Menschen kennenlernen und habe neue Freundschaften geschlossen. Die Verbundenheit zu ihnen und EIRENE gibt mir noch heute Kraft und Energie.
Johanna Steinwandel, ehemalige EIRENE-Freiwillige in Nordirland
Nachdem unsere Tochter als EIRENE-Freiwillige in Uganda war, war es wunderschön im Jahr darauf eine junge Frau aus Uganda in unsere Familie aufzunehmen. Das war sehr bereichernd für unsere Familie. Denn gegenseitiges Verständnis braucht Begegnungen!
Christiane Bals, Lehrerin
Hace 12 años que conozco a EIRENE y mi experiencia ha sido muy linda ya que me ha permitido trabajar no solo en la formalidad de una financiera extranjera en nuestra temática de violencia sexual infanto adolescentes, si no conocer a las personas maravillosas. ¡¡¡ MUCHAS GRACIAS EIRENE!!!!
Rosario Mamani Espinal, Koordinatorin bei SEPAMOS in Bolivien
Aux durs moments de la crise au Burundi, EIRENE est apparu comme un ami au chevet de la Maison de la Presse pour inspirer les médias vers un dynamisme plus sensible aux conflits. Notre partenariat avec EIRENE est bien réussi. Quelques fruits sont déjà murs.
Nestor Ntiranyibagira, Direktor, Maison de la Presse du Burundi
Heute ist es umso wichtiger, dass die ökumenische Friedensorganisation EIRENE das verkörpert, wofür die Friedensgöttin EIRENE 400 vor Christus stand: für einen Frieden als Basis von Wohlstand für alle; als Grundlage einer gerechten Gesellschaft; als Gegenmodell zu einer hochmilitarisierten Welt.
Wolfgang Kessler, 20 Jahre Chefredakteur von Publik-Forum, heute freier Publizist
Weltwärts mit EIRENE in Marokko – für unsere Tochter Thekla ein Jahr mit vielen Herausforderungen, vor allem aber mit Gewinn für ihre spätere berufliche Orientierung. In dem Projekt mit Geflüchteten wussten wir sie jederzeit gut aufgehoben und von den EIRENE-Fachkräften intensiv begleitet.
Tobias Schwab, Journalist
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