Digitalisierung: Das große Potenzial von Freier Software

Kurz vor der Pandemie: CiviCRM-Treffen am 18. November 2019 in den Räumen der GLS-Bank in Hamburg. © Software für Engagierte e.V.

Selbstbestimmt in die Digitalisierung: Das große Potenzial von Freier Software

Für eine lebenswerte Welt im digitalen Zeitalter zu arbeiten – das ist das Motto von Digitalcourage e.V.. Die 1987 gegründete NGO, bei der heute etwa 20 Menschen arbeiten, hat vor einigen Jahren den Begriff der Digitalen Mündigkeit geprägt: „Es geht darum, Verantwortung für das eigene Handeln im digitalen Raum selbst zu tragen.“ – so beschreibt es Netzphilosophin Leena Simon von Digitalcourage.

Verantwortung tragen – das tun wir alle mit der Entscheidung, welche digitalen Werkzeuge wir verwenden: Können wir es vor uns selbst vertreten, durch das Nutzen von Facebook die Verrohung der Kommunikation im Netz zu unterstützen? Ist es vertretbar, durch den Gebrauch von Online-Tools wie „Google Docs“ die Kontrolle über die eigenen Daten zu verlieren? Und fühlt es sich gut und richtig an, die Daten unserer Kontakte, der Menschen, die uns vertrauen, an WhatsApp weiterzugeben? Hier geht es nicht nur um personalisierte Werbung, denn gerade NGOs arbeiten oft mit besonders sensiblen Daten, wie politischen Ansichten oder Daten von Verfolgten. Die Risiken von cloudbasierten Lösungen, die private Daten in externen Servern speichern, schlagen voll durch: Ein Datenleck kann ausreichen, um den gesamten Datenbestand offenzulegen.

Freie Software ermöglicht öffentliche Debatten

Ein Schlüsselfaktor für Verantwortung im digitalen Raum ist die Verwendung von „Freier Software“: Dieser von der Free Software Foundation geprägte Begriff versteht „Frei“ im Sinne von „freie Rede“ – und nicht im Sinne von „Freibier“. Entscheidend ist also nicht, dass es sich um kostenfreie Software handelt. Das wäre zwar durchaus auch im Sinne der vielen gemeinnützig arbeitenden Menschen und Organisationen, die möglichst wenig Spendengelder für IT-Kosten aufwenden möchten, trifft aber nicht den Kern: Freie Software definiert sich vielmehr über vier Grundfreiheiten: Das ist zunächst die Freiheit, das Programm auszuführen, wie man möchte, für jeden Zweck. Als nächstes geht es um die Freiheit, die Funktionsweise des Programms zu untersuchen und eigenen Bedürfnissen der Datenverarbeitung anzupassen – das setzt implizit voraus, dass der Quellcode der Software verfügbar ist. Dann gehört die Freiheit dazu, das Programm weiterzuverbreiten und damit seinen Mitmenschen zu helfen. Und schließlich, die Freiheit, das Programm zu verbessern und diese Verbesserungen der Öffentlichkeit freizugeben, damit die gesamte Gemeinschaft davon profitiert. Diese Freiheit bewirkt, dass viele Menschen an der Fehlersuche arbeiten, und die Qualität und Sicherheit von Freier Software meist viel besser ist als bei klassisch kommerzieller Software.


Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe des EIRENE Magazins - Hier online lesen oder kostenlos bestellen


Man kann sich das so ähnlich vorstellen wie mit Gesetzen: Gesetzestexte können auch nicht alle verstehen – trotzdem ist es unerlässlich, dass sie zugänglich sind, damit wir erfahren können, wie die Regeln lauten, und damit diese Regeln zum Gegenstand einer öffentlichen Debatte werden können. Ähnlich wie Gesetze ist auch Freie Software nicht prinzipiell „gut“. Doch nur Freie Software kann hinterfragt und verbessert werden.

Datenschutz für besonders gefährdete Menschen

Digitalcourage ist bekannt dafür, sich für Datenschutz einzusetzen. Dabei geht es natürlich nicht um den Schutz von Daten, sondern um den Schutz von Menschen, deren Daten gespeichert und verarbeitet werden. Das ist besonders wichtig bei der Arbeit mit autoritär regierten Ländern. Und auch hier bietet Freie Software große Vorteile: Denn der Quellcode ist offen, und so lässt sich kontrollieren, ob Daten „abfließen“. Natürlich ist klar, dass eine solche Kontrolle nur technisch Versierten möglich ist – aber es gibt durchaus viele, die das können und engagiert genug sind, das für uns zu übernehmen.

Unser Einflussbereich

Wir alle können in unserem eigenen Einflussbereich selbst tätig werden und auf Freie Software setzen: Wir können auf unserem PC Linux statt Apple oder Windows nutzen. Wir können LibreOffice statt Microsoft Office verwenden, und unsere Videokonferenzen mit Jitsi oder BigBlueButton anstelle von Zoom, Teams oder Webex machen. Anstelle der „Datenkrake“ Doodle bietet Digitalcourage mit großem Erfolg das nicht-speichernde Termintool „Nuudel“ an – wo derzeit mehr als 100.000 Terminumfragen aktiv sind. Im „Maschinenraum“ der Digitalisierung wird übrigens schon lange in großem Umfang auf Freie Software gesetzt: Der überwältigende Anteil aller Internetserver arbeitet mit Linux, das World Wide Web und der globale Versand von E-Mails, Bezahl- und Messengerdienste arbeiten „unter der Haube“ mit Freier Software.

Gemeinnützige Initiativen und Organisationen können ebenso auf Freie Software umsteigen: Newsletter müssen nicht mit kommerziellen Diensten wie MailChimp oder Cleverreach verschickt und Spenden müssen nicht mit mit klassisch kommerzieller Software eingesammelt werden. Stattdessen kann all das und viel mehr mit der Freien Software CiviCRM erledigt werden.

CiviCRM – Eine freie Software für Vereine wie EIRENE

Digitalcourage wollte im Jahr 2010 ein Zeichen setzen, und hat sich als eine der ersten Organisationen in Deutschland für die Kontakt-, Mitglieder- und Spendenverwaltung für „CiviCRM“ entschieden. Um die Software, die ursprünglich in den USA entwickelt wurde, für den deutschen Raum zu verbessern, haben wir dann 2012 den Verein „Software für Engagierte e.V.“ ins Leben gerufen und mit anderen Organisationen zusammengelegt, damit SEPA-Lastschriften, Spendenbescheinigungen und viele andere Funktionen unseren Anforderungen angepasst werden konnten. Mittlerweile ist CiviCRM in meinen Augen die leistungsfähigste und vielseitigste Software überhaupt in diesem Bereich geworden. Sie wird von 750 Organisationen im deutschsprachigen Raum eingesetzt. Bei EIRENE betreue ich seit 2016 die CiviCRM-Installation mit meiner Beratungsagentur civiservice.de. Mit Fördermitteln der Deutschen Stiftung für Ehrenamt und Engagement bauen wir von Software für Engagierte an einem Internetportal, das ab Ende 2021 gemeinnützigen Organisationen die Benutzung von CiviCRM erleichtern wird: Das CiviCRM Open Source Community Portal.

Die Vorteile für NGOs liegen auf der Hand: Mit Freier Software macht man sich unabhängig von einzelnen Softwareanbietern, man ist nicht an die Softwareversion gebunden, für die man sich früher mal entschieden hatte. Freie Software entwickelt sich durch eine Vielzahl von unabhängigen Entwickler_innen weiter, oder kann nach Bedarf von den jeweiligen Organisationen angepasst werden. Auch bei neueren Anforderungen wie Barrierefreiheit kann man schnell agieren und die Software anpassen. Klassisch kommerzielle Software muss man dagegen nehmen, wie sie ist. Der Begriff „Freie Software“ bedeutet übrigens nicht, dass sie nicht kommerziell genutzt werden kann. Denn auch die Entwickler_innen von Freier Software müssen ihren Lebensunterhalt finanzieren. Im Falle von CiviCRM tragen dazu die weltweiten „Partner“-Unternehmen bei: Das sind rund 50 IT-Beratungshäuser und Agenturen, die Einführungsunterstützung und Support für CiviCRM anbieten, und einen Anteil ihrer Einnahmen an das „Kernteam“ von CiviCRM weitergeben – um zusätzlich zu ihren eigenen Programmierarbeiten eine nachhaltige Weiterentwicklung der Software sicherzustellen.

Detlev Sieber ist Organisatorischer Geschäftsführer bei Digitalcourage e.V. und hat den Verein Software für Engagierte ins Leben gerufen, in dem auch EIRENE Mitglied ist.

Aux durs moments de la crise au Burundi, EIRENE est apparu comme un ami au chevet de la Maison de la Presse pour inspirer les médias vers un dynamisme plus sensible aux conflits. Notre partenariat avec EIRENE est bien réussi. Quelques fruits sont déjà murs.
Nestor Ntiranyibagira, Direktor, Maison de la Presse du Burundi
Weltwärts mit EIRENE in Marokko – für unsere Tochter Thekla ein Jahr mit vielen Herausforderungen, vor allem aber mit Gewinn für ihre spätere berufliche Orientierung. In dem Projekt mit Geflüchteten wussten wir sie jederzeit gut aufgehoben und von den EIRENE-Fachkräften intensiv begleitet.
Tobias Schwab, Journalist
Nachdem unsere Tochter als EIRENE-Freiwillige in Uganda war, war es wunderschön im Jahr darauf eine junge Frau aus Uganda in unsere Familie aufzunehmen. Das war sehr bereichernd für unsere Familie. Denn gegenseitiges Verständnis braucht Begegnungen!
Christiane Bals, Lehrerin
Hace 12 años que conozco a EIRENE y mi experiencia ha sido muy linda ya que me ha permitido trabajar no solo en la formalidad de una financiera extranjera en nuestra temática de violencia sexual infanto adolescentes, si no conocer a las personas maravillosas. ¡¡¡ MUCHAS GRACIAS EIRENE!!!!
Rosario Mamani Espinal, Koordinatorin bei SEPAMOS in Bolivien
Zum EIRENE-Freiwilligendienst gehört neben der Arbeit in den Einsatzländern auch die Vor- und Nachbereitung durch die Seminare. Dort konnte ich viele tolle Menschen kennenlernen und habe neue Freundschaften geschlossen. Die Verbundenheit zu ihnen und EIRENE gibt mir noch heute Kraft und Energie.
Johanna Steinwandel, ehemalige EIRENE-Freiwillige in Nordirland
Heute ist es umso wichtiger, dass die ökumenische Friedensorganisation EIRENE das verkörpert, wofür die Friedensgöttin EIRENE 400 vor Christus stand: für einen Frieden als Basis von Wohlstand für alle; als Grundlage einer gerechten Gesellschaft; als Gegenmodell zu einer hochmilitarisierten Welt.
Wolfgang Kessler, 20 Jahre Chefredakteur von Publik-Forum, heute freier Publizist
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