Dr. Sangare hat ein schweres Herz

Dr. Samba Djougou Sangare. ©Frank Nama

Aufgrund der verheerenden Sicherheitslage leben viele Malier_innen im Ausland. Einer von ihnen ist Dr. Samba Djougou Sangare, Vorsitzender der malischen Gemeinschaft in Marokko. Der Journalist Frank Nama hat ihn in  Rabat getroffen und mit ihm über die Chancen für Frieden in Mali gesprochen.

Mein Gesprächspartner ist ein Mann ohne feste Bleibe, ein älterer Mann mit selbstbewusstem Auftreten, den ich an einem Ort namens Mini-Park in Rabat, Marokko, treffe: Samba Djougou Sangare ist Doktor der Pharmazie und Doktor der Medizin. Er ist ein Migrant malischer Herkunft, der sich ohne Umschweife zur Situation in seinem Heimatland äußert: „Es ist höchste Zeit, dass wir unsere Erfahrungen teilen, damit endlich Lösungsvorschläge erarbeitet werden, damit Mali endlich einen dauerhaften Frieden findet!“

Als Mediziner in Mali und dann in Frankreich ausgebildet, arbeitete Dr. Sangare im Laufe seiner gesamten Karriere abwechselnd als Pharmazeut und als praktischer Arzt im Auftrag der malischen Regierung. Vor allem  wegen der Unsicherheit, die in Mali herrscht und die von Tag zu Tag schlimmer wird, ist er heute als Migrant in Marokko. Sobald er sich in einem Café am Platz niederlässt, lässt der nachdenklich dreinblickende Arzt  erkennen, dass sein Herz heute sehr schwer ist. Nur ein paar Stunden vor unserem Treffen, erzählt er mir, habe er den aktuellen Bericht des UN-Generalsekretärs, der am 6. Januar 2021 veröffentlicht wurde, über die Situation in Mali gelesen. Die katastrophale Bilanz dieses Berichts beunruhige ihn sehr. Ganz Arzt, präsentiert Dr. Sangare die folgende Diagnose: Mit immensem Aufwand wird MINUSMA durchgeführt, aber für ihn ist dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Seiner Meinung nach würde es noch mindestens hundert Jahre dauern, damit die Mission erfolgreich sein könnte.

Ein globalisiertes Sozial- und Wirtschaftsprogramm

Er fährt fort, und stellt fest, dass „die Komplexität der Sicherheitslage in Mali die verheerende Folge des dominanten Einflusses nördlicher Staaten auf südliche Staaten ist.“ Terrorismus und Armut werden nur nachhaltig  bekämpft, wenn der Westen zustimmt ein globalisiertes Sozial- und Wirtschaftsprogramm aufzustellen. Der Arzt schlägt vor, anstelle von Tausenden von Soldaten, die im Auftrag der MINUSMA nach Mali kommen, darauf hinzuarbeiten, aktive wirtschaftliche Angebote zu fördern. Es wäre von Vorteil, wenn die europäischen Länder, insbesondere Deutschland, den Aufbau von landwirtschaftlichen Fabriken, Textilfabriken usw. in Städten und Dörfern fördern würden, um Arbeitsplätze für junge Menschen zu schaffen. Diese, davon ist er überzeugt, würden sich sofort für dieses Leben entscheiden, weil ihnen durchaus bewusst sei, dass sie ein hohes und gar tödliches Risiko eingehen, wenn sie sich einer terroristischen Gruppe anschließen.


Mali: Der Friedensprozess steckt weiter in der Sackgasse


Begleitend dazu identifiziert er in einem zweiten Schritt die Imame in Mali als Schlüsselfiguren. Imame sind die ersten Menschen, an die sich die Terroristen wenden, bevor sie ein Dorf betreten. Deshalb schlägt er vor, jeden  Imam in seiner Arbeit für Frieden zu unterstützen. Man stehe in Konkurrenz mit den Terroristen um die Imame. Die Terroristen würden ihnen von Zeit zu Zeit Geld geben. Würden die Imame stattdessen ausschließlich daran  arbeiten, das soziale und wirtschaftliche Gefüge in den verschiedenen Regionen und Dörfern die Terroristen sehen, wie ihre ideologischen Verbindungen abreißen und ihre Männer sich von der terroristischen Sache abwenden.

von Frank Nama, Journalist in Marokko und bis 2020 aktiv für Migrant_innenrechte bei der EIRENE-Partnerorganisation FOO


Intervention ohne Diskussion in Mali?

Zum EIRENE-Freiwilligendienst gehört neben der Arbeit in den Einsatzländern auch die Vor- und Nachbereitung durch die Seminare. Dort konnte ich viele tolle Menschen kennenlernen und habe neue Freundschaften geschlossen. Die Verbundenheit zu ihnen und EIRENE gibt mir noch heute Kraft und Energie.
Johanna Steinwandel, ehemalige EIRENE-Freiwillige in Nordirland
Nachdem unsere Tochter als EIRENE-Freiwillige in Uganda war, war es wunderschön im Jahr darauf eine junge Frau aus Uganda in unsere Familie aufzunehmen. Das war sehr bereichernd für unsere Familie. Denn gegenseitiges Verständnis braucht Begegnungen!
Christiane Bals, Lehrerin
Heute ist es umso wichtiger, dass die ökumenische Friedensorganisation EIRENE das verkörpert, wofür die Friedensgöttin EIRENE 400 vor Christus stand: für einen Frieden als Basis von Wohlstand für alle; als Grundlage einer gerechten Gesellschaft; als Gegenmodell zu einer hochmilitarisierten Welt.
Wolfgang Kessler, 20 Jahre Chefredakteur von Publik-Forum, heute freier Publizist
Hace 12 años que conozco a EIRENE y mi experiencia ha sido muy linda ya que me ha permitido trabajar no solo en la formalidad de una financiera extranjera en nuestra temática de violencia sexual infanto adolescentes, si no conocer a las personas maravillosas. ¡¡¡ MUCHAS GRACIAS EIRENE!!!!
Rosario Mamani Espinal, Koordinatorin bei SEPAMOS in Bolivien
Weltwärts mit EIRENE in Marokko – für unsere Tochter Thekla ein Jahr mit vielen Herausforderungen, vor allem aber mit Gewinn für ihre spätere berufliche Orientierung. In dem Projekt mit Geflüchteten wussten wir sie jederzeit gut aufgehoben und von den EIRENE-Fachkräften intensiv begleitet.
Tobias Schwab, Journalist
Aux durs moments de la crise au Burundi, EIRENE est apparu comme un ami au chevet de la Maison de la Presse pour inspirer les médias vers un dynamisme plus sensible aux conflits. Notre partenariat avec EIRENE est bien réussi. Quelques fruits sont déjà murs.
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