Wenn du mir helfen willst, dann frag mich was ich brauche

Marokko: Radio ist das Medium der Stunde, gerade in Corona-Zeiten. Frank Nama leitet den einzigen migrantischen Radiosender Marokkos. Im F Radio debattieren Menschen miteinander über Themen, die in der marokkanischen Öffentlichkeit keinen Platz bekommen.

Euer F Radio sendet täglich und berichtet über das Leben von Migrant_innen in Rabat und ganz Marokko. Wie würdest du euren Sendeauftrag beschreiben?

Wir unterstützen Integration. Wir helfen Menschen Arbeit zu finden, lassen sie ihre Projekte vorstellen. Hier bekommen Musiker_innen und Künstler_innen ihre Chance sich zu präsentieren, live zu spielen und auf sich aufmerksam zu machen. Wir schaffen es immer wieder Veranstalter_innen und Künstler_innen in Kontakt zu bringen.  Man muss sagen, dass kulturelle Integration in Marokko kein Problem ist, das größere Problem ist die ökonomische Integration. Wenn Menschen keine Arbeit haben, dann nehmen sie ein Boot und wollen nach Europa. Und manche sterben auf diesem Weg. Wenn man also will, dass das aufhört, dann braucht man mehr Möglichkeiten für Migrant_innen zu arbeiten und Geld zu verdienen. Wer arbeitet, sieht keinen Grund mehr sein Leben zu riskieren. Das ist unsere Mission bei F Radio – Menschen integrieren.

Wer sich für Menschenrechte engagiert wird leicht zur Zielscheibe derer, die nicht wollen, dass Missstände aufgedeckt und Verantwortliche unter Druck kommen. Ist das F Radio unter dem Dach der Fondation Orient-Occident ein sicherer Ort für dich?

Ich war schon vor meiner Zeit beim F Radio ein Menschenrechtsaktivist. Ich wollte, dass die Leute erfahren, was Migrant_innen und Geflüchteten passiert. Dann ging das ganze System gegen mich. Was immer ich versucht habe, wurde verhindert. Ich hatte keinen Job mehr als Journalist, ich wurde rausgedrängt. Auch als Aktivist muss ich von etwas leben. Ich muss meine Rechnungen zahlen. Ich hatte eine schwierige Zeit: ich habe ein Kind, ich trage Verantwortung. Dann wurde mir angeboten zur FOO zu kommen. Hier bin ich sicher!


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Wie geht ihr vor, um Migrant_innen eine Stimme zu geben?

Ganz einfach, wir geben Migrant_innen und Geflüchteten die Möglichkeit ihre Geschichte zu erzählen. Viele Leute mögen das nicht. Doch selbst wenn es uns in Schwierigkeiten bringt, wir müssen es tun. Es wäre ein Verrat an der Menschlichkeit es nicht zu tun.

Wie würdest du die Situation von Migrant_innen aus Subsahara-Afrika in Marokko einschätzen? Werden ihre Rechte gewahrt?

Viele Leute werden einfach so verhaftet. Sie werden ins Auto gesteckt, weil sie schwarz sind. Wenn du legale Papiere hast, hast du Glück, aber wenn nicht, fahren sie dich in den Süden und schmeißen dich einfach an der Grenze raus. Mittlerweile verhaften sie auch Frauen. Vor der Verschärfung der Migrationsgesetze wurden in Rabat niemals Frauen verhaftet.

Als Journalist verfolgst du schon länger den Umgang des Westens mit Migrationsfragen. Es gibt ja durchaus staatliche Hilfsprogramme, wie würdest du sie einschätzen?

Für mich ist der beste Weg, wenn man Migrant_innen helfen will, sie zu fragen, was sie brauchen. Denke nicht anstelle der Migrant_innen. Das ist der Fehler, den viele Staaten machen. Sie machen große Konzepte, große Policies und geben ihnen große Namen, aber wenn du mir helfen willst, dann frag mich doch, was ich brauche. Dann könnte ich mein Problem genau jetzt lösen.

Was macht das F Radio jetzt in Zeiten der Corona-Krise in Marokko?

Wir halten die Migrant_innen auf dem Laufenden über staatliche Hilfen. Wo wird Essen verteilt, wo kann man finanzielle Hilfe bekommen und wie schütze ich mich vor einer Infektion – das alles erfahren sie im F Radio. Da gerade keiner auf die Straße darf, ist Radio ein super Weg in Kontakt zu bleiben und gemeinsam durch die Krise zu gehen.


Erfahre mehr über die Arbeit für Migrant_innnen in Marokko!

Nachdem unsere Tochter als EIRENE-Freiwillige in Uganda war, war es wunderschön im Jahr darauf eine junge Frau aus Uganda in unsere Familie aufzunehmen. Das war sehr bereichernd für unsere Familie. Denn gegenseitiges Verständnis braucht Begegnungen!
Christiane Bals, Lehrerin
Weltwärts mit EIRENE in Marokko – für unsere Tochter Thekla ein Jahr mit vielen Herausforderungen, vor allem aber mit Gewinn für ihre spätere berufliche Orientierung. In dem Projekt mit Geflüchteten wussten wir sie jederzeit gut aufgehoben und von den EIRENE-Fachkräften intensiv begleitet.
Tobias Schwab, Journalist
Heute ist es umso wichtiger, dass die ökumenische Friedensorganisation EIRENE das verkörpert, wofür die Friedensgöttin EIRENE 400 vor Christus stand: für einen Frieden als Basis von Wohlstand für alle; als Grundlage einer gerechten Gesellschaft; als Gegenmodell zu einer hochmilitarisierten Welt.
Wolfgang Kessler, 20 Jahre Chefredakteur von Publik-Forum, heute freier Publizist
EIRENE gibt jungen Menschen Gelegenheit - ich wähle Worte von Papst Franziskus - , "Beschützer und nicht Räuber der Welt zu werden, Schönheit zu säen..., zu erkennen, dass wir zutiefst mit allen Geschöpfen verbunden sind auf dem Weg in Gottes unendliches Licht".
Johannes Meier, Professor für Katholische Theologie
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