Ernteerträge steigern, Frieden gedeihen lassen in Niger

Erfolgreich gegen Hungerkrisen in Niger

Seit der Unabhängigkeit Nigers 1960 hat sich dessen Bevölkerung versechsfacht. Heute leben in dem Land unterhalb der Sahara 20 Millionen Menschen. In Anbetracht der steigenden Bevölkerungszahlen und des Klimawandels stellt der Kampf gegen Hunger eine große Herausforderung dar. Dürre oder übermäßiger Niederschlag gefährden insbesondere den Hirseanbau. Entweder vertrocknen die Pflanzen oder die Samen werden durch Erosion weggeschwemmt. Die Ausbreitung der Sahara-Wüste schreitet fort und bedroht die lebensnotwendigen Ackerflächen.

„Wir brauchen neue landwirtschaftliche Methoden, um unsere Ernten zu steigern und die Wüstenbildung aufzuhalten,“ sagt Yacouba Sawadogo, Träger des Alternativen Friedensnobelpreises 2018. Er entwickelte die Agroforst-Methode, die Nahrungssicherheit ohne externe Hilfe ermöglicht.

Agroforst erhöht die Ernte

EIRENE schult zusammen mit einem breiten Netzwerk an Selbsthilfeorganisationen Feldberater_innen in der Agroforst-Methode. Die Felberater_innen fungieren als Multiplikator_innen auf verschiedenen Ebenen. Sowohl im familiären Kontext und in ihren Dorfgemeinden, als auch in Selbsthilfeorganisationen und der kommunalen Verwaltung wird das Wissen über Agroforst durch sie promotet. Mit Erfolg: Der neue Ansatz hat dazu geführt, dass sich die Hirseernte in den Projektgemeinden verdoppelt hat.
 
Der Schlüssel zum Erfolg: In einem kombinierten Verfahren wird sowohl Hirse gesäht als auch Akazienbäume gepflanzt – Agroforst. Die Bäume spenden Schatten, bieten Schutz vor Erosion und lassen den Grundwasserspiegel steigen. Hirsepflanzen haben so optimale Bedingungen zum Wachsen. Seit 2017 wurden im Projekt über 12.000 Bäume gepflanzt, die Ausbreitung der Wüste wird so bekämpft.

Zai-Methode: Termiten sind die Regenwürmer der Wüste

Mit der innovativen Zai-Methode werden Ernteerfolge gefeiert. In den vertrockneten Boden werden halbmondförmige Kuhlen gehackt. Diese werden mit Laub, Dung und Asche gefüllt. Dieser Naturdünger liefert genügend Nährstoffe, damit Hirsepflanzen gut gedeihen können. Außerdem werden durch den Dung Termiten angelockt: Sie graben Kanäle in den verhärteten Boden und lockern ihn somit auf. Der Boden gewinnt an Wasserspeicherkapazität zurück. 

Steinwälle als Feldbegrenzungen: Einfach und effektiv

Aufgrund des Klimawandels nehmen Wetterextreme im Niger zu. Ganz konkret hat sich die Regenzeit in den letzten Jahren verkürzt und ist unberechenbarer geworden. Wenn es dann mal regnet, dann häufig soviel, dass der vertrocknete Boden die Wassermassen nicht aufnehmen kann - Starkregen. Anstatt in den Boden zu sickern, läuft der Regen sofort ab und überflutet Flussgebiete. Mit Steinwällen kann das Wasser daran gehindert werden zu schnell von den Äckern abzufliessen. Sie sind einfach errichtet und halten effektiv das Wasser zurück. So bleibt genügend Zeit, dass das Wasser tief in die Erde sickert und den Wasserspiegel steigen lässt.

Eine breite Allianz von Bäuer_innen

EIRENE fördert effektiv die Vernetzung von lokalen Selbsthilfeorganisationen. Dachverbände wurden gegründet, um die Interessen vieler Bäuer_innen besser zu bündeln. Gemeinsam vertreten die Dachverbände die Interessen der Landbevölkerung vor den nigrischen Behörden. Ihre Lobbyarbeit führt zu einer verbesserten Agrarpolitik und trägt wesentlich zur Armutsbekämpfung in den Projektregionen bei.

Die Ausnahme zur Regel machen

Noch sind die neuen Anbaumethoden die Ausnahme in der nigrischen Landwirtschaft. Das gilt es zu ändern!
Mit Ihrer Unterstützung kann die Vernetzung und der Austausch zwischen Projektgemeinden vorangetrieben werden. Gegenseitige Besuche von Bäuer_innen und die Ausbildung von Feldberater_innen helfen, um das kombinierte Verfahren von Baumpflanzung und Hirseanbau weiter zu verbreiten.

Folgende Maßnahmen werden durchgeführt:

  • Feldarbeiter_innen schulen Familien und Gemeinden in der Agroforst-Methode.

  • Mit Hilfe von EIRENE-Spenden wurden Getreidebänke errichtet, die genossenschaftliche Vermarktung von Hirse und anderen Feldfrüchten ermöglichen und effektiv gegen Hunger vorsorgen.

  • Schaufeln und Hacken werden angeschaft und an die Projektgemeinden verteilt.

  • EIRENE unterstützt Selbsthilfeorganisationen in der Erstellung von Aktionspläne. Diese verankern das Wissen über die neuen Anbaumethoden in den Projektgemeinden.

  • Gegenseitige Besuche von Selbsthilfeorganisationen fördern den Austausch.

Ihre Spende hilft!

  • Mit 40 Euro pflanzen Familien 80 Baumsetzlinge.
  • 60 Euro statten eine Gemeinde mit einem Set an Feldwerkzeugen (Hacken, Gießkannen) aus.
  • 100 Euro helfen für die Instandhaltung eines Getreidespeichers.
  • 300 Euro qualifizieren Multiplikatorinnen, die ihr Wissen in Fraueninitiativen weitergeben.

„Unsere Schulungen sind gut besucht und beliebt. Die Teilnehmenden lernen nicht nur mit großem Eifer die neuen Anbaumethoden, sie teilen auch ihr neues Wissen in ihren Gemeinden. Die Agroforst-Methode findet auf diese Weise viele Nachahmer_innen – ein großer Erfolg!“ -Tao Vairoukoye, ehemalige EIRENE-Fachkraft in Niger.

 

Land/Region: Niger, Region Tera
Finanzierung: Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Eigenmittel EIRENE, Demeter-Bäckerei Märkisches Landbrot (Berlin), Stiftung Natur-Mensch-Kultur.
Lokaler Partner: ADROC (Appui pour le Développement Rural des Organisations Communautaires), ein breites Netzwerk lokaler NGOs
Projektlaufzeit: 2009-2019

Ansprechpartner bei EIRENE: Daniel Djedouboum, djedouboum [at] eirene [dot] org

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