Aktuelle Lage in Uvira, Kongo
UPDATE zur Sicherheitslage in Uvira, Stand 12.3. (bearbeitet 13.3.)
Bericht unserer Partnerorganisation FAP
Bis heute sind die M23 nicht in Uvira eingetroffen, aber die Aussicht auf ihre Ankunft und Besetzung der Stadt lösen bereits große Angst und Besorgnis in der Bevölkerung aus. Es kommt vermehrt zu bewaffneten und tödlichen Konflikten zwischen den kongolesischen Streitkräften (FARDC) und der örtlichen Miliz namens Wazalendo. Bei diesem Konflikt kam es zu zahlreichen Schießereien zwischen den Konfliktparteien, bei denen auch Zivilisten zwischen die Fronten gerieten und getötet wurden.
Kürzlich sind aus dem örtlichen Gefängnis etwa 300 Gefangene entflohen, die die örtliche Bevölkerung ausrauben, plündern und angreifen. In den letzten Tagen wurde eine Zunahme von Vergewaltigungen, sexueller Belästigung, Einschüchterung, gewaltsamen Raubüberfällen und mutwilligen Tötungen beobachtet. Auch negative Berichterstattung, Falschmeldungen und der Austausch von drastischen Kriegsbildern über Soziale Netzwerke nehmen zu.
Zu ihrem „Schutz“ sind die Bürger gezwungen, Soldaten für Patrouillen in Wohngebieten zu bezahlen, und je nachdem, wer das Gebiet kontrolliert, erhalten entweder Angehörige der FARDC oder der Wazalendo eine wöchentliche Gebühr zwischen 3000 und 5000 kongolesischen Francs pro Haushalt. Diese Sicherheitspatrouillen haben selbst zu Dutzenden von Toten geführt, da sie häufig schnell zur Schusswaffe greifen.
Die Wirtschaftstätigkeit ist stark beeinträchtigt, da nur wenige Geschäfte geöffnet haben und die Öffnungszeiten eingeschränkt sind. Markthändler, insbesondere Frauen, werden von Angehörigen der FARDC und der Wazalendo-Miliz belästigt und auf andere Weise eingeschüchtert. In Uvira gilt derzeit eine Ausgangssperre, nach 18:00 Uhr darf man sich nicht mehr auf der Straße aufhalten. Banken und andere öffentliche Einrichtungen sind seit Beginn der Krise geschlossen.
Abgesehen von Hunger und dem Mangel an sozialen Einrichtungen, mit denen die Bevölkerung konfrontiert ist, wurde heute im örtlichen Allgemeinkrankenhaus von Rusizi ein Cholera-Ausbruch mit mehr als 100 Fällen und zwei Todesfällen gemeldet. Die Mehrheit der Opfer sind Soldaten des 33. Militärregiments der FARDC. Es wird befürchtet, dass die Krankheit bereits in der allgemeinen Bevölkerung ausgebrochen ist, aber viele Menschen nicht in der Lage sind, medizinische Einrichtungen zu erreichen.
Natürlich entscheiden sich viele Bürger zur Flucht, und einige haben dabei ihr Leben verloren, als sie versuchten, den Rusizi-Fluss zu durchschwimmen, um in das relativ sichere Burundi zu gelangen.
Die Führung der M 23 hat ihre Absicht erklärt, Uvira „zu befreien“, und es ist die Angst vor ihrer erwarteten Ankunft, die große Besorgnis auslöst. Die örtliche Verwaltung, einschließlich des Bürgermeisteramtes, hat ihr Einsatzzentrum vom Stadtzentrum nach Kavimvira (nahe der Grenze zu Burundi) verlegt, was an sich schon Unruhe stiftet, da es den Eindruck erweckt, dass sie jederzeit bereit sind, über die Grenze zu fliehen.
Was FAP betrifft, so ist es derzeit nicht in der Lage, auf die sich verschlechternde humanitäre Lage der Bevölkerung zu reagieren. FAP hat aber bereits Maßnahmen ergriffen, um unser Personal* und die Friedenskomitees, mit denen wir zusammenarbeiten, zu schützen. Dabei handelt es sich um vorübergehende Maßnahmen, und die Sorge darüber, wie sich die Lage in den nächsten Wochen entwickeln wird, nimmt zu, insbesondere angesichts der Schließung der Banken. Die Zukunft sieht in der Tat sehr düster aus, und wir hoffen aufrichtig, dass die betroffenen Parteien dem Aufruf der religiösen Führer des Kongo folgen und dem Dialog eine Chance geben werden.