Weltwassertag 2026 - Stimmen aus Bolivien

Wir, die Organisationen des UMA-Programms in Bolivien, die sich mit der Wasserproblematik im Katari-Becken und am Titicacasee befassen, teilen Folgendes:
 

Die Stimmen unserer lokalen Gemeinschaften:

Wasser als kollektives Gefüge. In der Gemeinschaft ist Wasser ein großes
verbindendes Element, es ist kein individuelles Gut, sondern ein Gemeingut,
das das kollektive Leben trägt. Es bewässert unsere Felder und unsere
Anbauflächen und sichert so unsere Ernährungssouveränität. Sein Kreislauf
bestimmt unseren Kalender, die Zeiten der Aussaat, der Ernte und der Rituale.

Libertad Karen Ortega Foronda

Stimmen von Kindern, Jugendlichen und lokalen Führungspersonen aus den Gemeinden El Alto, Alto Milluni, Alto Puchukollo, Viacha, Laja, Chojasivi, Batallas, Palcoco, Puerto Pérez, Copacabana und Escoma in Bolivien.

Anlässlich des Weltwassertages erheben die Organisationen, Bildungsgemeinschaften, kommunalen Führungspersonen, Kinder, Jugendliche sowie Frauen und Männer, die im Rahmen des Programms UMA (EIRENE-ZFD) zusammenarbeiten, gemeinsam ihre Stimme, um die Wasserkrise in ihren Territorien zu reflektieren, anzuprangern und dringende Maßnahmen vorzuschlagen.

Wasser ist Leben, Grundlage unseres Daseins und ein verbindendes kollektives Geflecht

Aus Sicht der Gemeinschaften ist Wasser nicht nur eine Ressource: Es ist Leben, Lebensgrundlage, Spiritualität und Grundlage gemeinschaftlicher Organisation. Wasser ermöglicht es uns, uns zu ernähren, Landwirtschaft zu betreiben, Tiere zu halten, unsere Gesundheit zu sichern und unsere kulturellen Wurzeln zu bewahren.

Für viele indigene und ländliche Gemeinschaften ist Wasser ein lebendiges Wesen und ein heiliges Element, zu dem Beziehungen des Respekts, der Gegenseitigkeit und der Fürsorge bestehen. Sein Wert geht weit über das Ökonomische hinaus, es ist das Herz des gemeinschaftlichen Lebens.

Eine Krise, die vor Ort unmittelbar spürbar ist

Unsere vereinten Stimmen teilen eine tiefe Sorge: Wasserknappheit tritt immer häufiger auf, die Verschmutzung von Flüssen und Wasserquellen hat deutlich zugenommen, und der Zugang zu Trinkwasser ist begrenzt, ungleich und in vielen Fällen unsicher.

Wir, Mädchen und Jungen, prangern an, dass Flüsse in der Nähe unserer Schulen mit Müll, organischen Abfällen und toten Tieren verschmutzt sind. Gemeindemitglieder und Frauen in Führungsrollen betonen den Verlust der Biodiversität, das Sterben von Vieh und die Degradierung von Ökosystemen. Pädagoginnen und Pädagogen sowie Behörden warnen vor gesundheitlichen Auswirkungen, insbesondere für Kinder, durch den Konsum von kontaminierten Wasser.

Zudem wird der Klimawandel deutlich sichtbar durch den Rückgang der Niederschläge, das Abschmelzen der Gletscher, das Verschwinden von Quellen und Wasseraugen sowie die Veränderung landwirtschaftlicher Zyklen.

Gefühle, die uns berühren und zum Handeln auffordern

Die aktuelle Situation rund um das Wasser erfüllt die Gemeinschaften mit Traurigkeit und Sorge, mit Frustration und Empörung sowie mit Unsicherheit gegenüber der Zukunft.

Zugleich stärkt sie das kollektive Bewusstsein, die gemeinschaftliche Organisation und das Engagement für die Verteidigung des Wassers.

Wenn das Wasser sprechen würde, würde es uns ganz klar sagen: “Kümmert euch um mich, verschmutzt mich nicht, verschwendet mich nicht. Ich bin Leben und ihr schadet mir.” (Frau aus der Gemeinde Escoma)

Das Wasser ruft uns dazu auf, unseren Umgang zu ihm zu verändern: es nicht länger als unendliche Ressource zu betrachten, sondern es als Grundlage des Lebens anzuerkennen, die dringend geschützt werden muss.

Forderungen und Aufruf zum Handeln

Angesichts dieser Realität fordern wir von den zuständigen Behörden und schlagen vor: Schutz der
Wasserquellen vor bergbaulicher, urbaner und industrieller Verschmutzung, Verbesserung der
Trinkwasser- und Sanitärsysteme, insbesondere in ländlichen und periurbanen Gemeinden, konkrete Maßnahmen gegen den Klimawandel unter Berücksichtigung lokaler Auswirkungen, Anerkennung und Stärkung der gemeinschaftlichen Wasserbewirtschaftung, aktive Beteiligung von Frauen, indigenen Gemeinschaften und Kindern an Entscheidungsprozessen, Umweltbildung zur Förderung des Wasserschutzes von frühester Kindheit an sowie Aufforstung und Wiederherstellung von Ökosystemen zum Schutz der Wasserquellen.

Eine gemeinsame Verpflichtung

Wir bekräftigen, dass die Verteidigung des Wassers die Verteidigung des Lebens ist. Wir verpflichten uns, es weiterhin zu schützen, uns zu organisieren und von unseren Territorien aus Bewusstsein zu schaffen.

Wir rufen die gesamte Gesellschaft, öffentliche und private Institutionen sowie die internationale
Zusammenarbeit dazu auf, sich diesem dringenden Engagement anzuschließen.

Denn wenn das Wasser fehlt, kommt das Leben zum Stillstand. Und wenn das Wasser geschützt wird, blüht das Leben auf.

Nuna Bolivia ConCiena / Fundación Mujeres en Comunidad / IIADI / Pueblo Differente
La Paz, 22. März 2026.

Mehr Informationen

Friedensdienst in Bolivien

Das Land trägt seine Vielfalt bereits im Namen : Im Estado Plurinacional de Bolivia leben 36 indigene Völker mit ihren eigenen Sprachen und Kulturen zusammen. Mit der neuen, seit 2009 gültigen Verfassung, sollen diese 36 plurinationalen Identitäten gesichert und gestärkt werden und die Entwicklung des Land im Einklang mit der Natur wurde zum neuen Staatsziel erklärt.

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